If you can believe it, you can do it!.........ein Erfahrungs- und Motivationsbericht von Ironman Vadym Trykoz!

 

 

 

Es war ein steiniger Weg bis über die Ziellinie beim Ironman Austria in Klagenfurt. Der Weg war aber schön! Letztes Jahr hatte ich eine Verletzung vor dem Start und konnte leider nicht starten. Dieses Mal wollte ich meine offene Rechnung begleichen.

 

 

 

Ich habe so viele neue, nette Menschen über die letzten drei Jahren im Triathlon- Sport kennengelernt!

 

Ich habe so viele Freunde, Kollegen und Bekannte auf der Strecke und noch mehr Online während dem Rennen gehabt. Sehr viele haben mit mir diesen großartigen Tag miterlebt und mitgefiebert!

 

 

 

Ich danke euch allen ganz herzlich für die Unterstützung und fürs Mitfiebern! Danke für die Begleitung bei jeder Radausfahrt, beim Schwimmtraining oder bei einem Lauf. Für die zahlreichen Tipps und die Motivation weiter zu machen. Wir haben das gemeinsam geschafft, auch wenn nur mein Name im Protokoll steht. Jeder von euch hat mich mehr oder weniger an diesem Weg unterstützt und begleitet.

 

 

 

Jetzt zu der Sache und zum Rennen selbst: 

 

Ironman Distanz ist die sogenannte Königsdistanz im Triathlon und beträgt 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und 42,2km Laufen. Also genug für einen gemütlichen Tag in einem Urlaubsort in wunderschönen Kärnten J

 

 

 

Schwimmen:

 

Vor dem Wasserstart ist die Spannung sehr hoch! Die Luft riecht wie vor einem starken Gewitter nach Ozon und fast jeder am Start ist so angespannt und elektrifiziert! Es ist wie kurz vor einer Explosion der mehr als 3000 Starter! Den Strom in der Luft vor lauter Spannung kann man wirklich riechen!

 

Alle diese über dreitausend Athleten haben hart bis zu diesem Moment trainiert. Genau in diesem Moment wird die stark komprimierte Feder in jedem frei gelassen! Emotionen überfüllen dich so stark in diesem Moment, das ist einfach unbeschreiblich! Am Start ist es aus diesem Grund fast schwer zu atmen. Ruhepuls? Was ist denn das? Es wird mit Puls von ca. 200 gestartet!

 

 

 

Schwimmen im kristallklaren Wasser des Wörtersees bei Sonnenaufgang ist etwas Besonderes und Einmaliges. Das Schwimmen ist so schnell vergangen, nach bereits 200 Meter im Wasser hat sich der Puls beruhigt. Ab dem letzten Kilometer durch den schmalen Lendkanal zum Schwimmausstieg konnte ich das Schwimmen richtig genießen! So viele Leute auf beiden Seiten des Kanals mit lauter Musik haben eine gewaltige Stimmung im Wasser gemacht! Nach knapp über 1 Stunde und 7 Minuten bin ich aus dem Wasser gestiegen und in die Wechselzone zum Rad gelaufen. Alles schnell in der Wechselzone erledigen, Rad abholen und schnell aufs Rad!

 

 

 

Radfahren:

 

Radfahren war einfach cool. Ich kenne die Strecke mittlerweile sehr gut. Bin schon mindestens 7-mal über die letzten 2 Jahre diese Strecke abgefahren. Ich habe wieder meinen Sommerurlaub im wunderschönen Kärnten verbracht und konnte auch die originale Radstrecke öfters abfahren.

 

Es war sehr kühl und fast windstill in der ersten Runde und etwas windig in der zweiten Runde von jeweils 90 km.

 

Ich konnte mein Flow finden und bin sehr konstant in meinen Wattbereichen gefahren. Die Unterstützung entlang der Strecke war echt ein Hammer. Es hat mehrere Hotspots in kleinen Ortschaften entlang der komplett für Verkehr gesperrten Strecke gegeben. Es wurde gegrillt, richtig mitgefiebert und mit Athleten mitgefeiert! Auf jedem Berg und Hügel teilweise mehr als tausend Zuschauer! Sehr laut und lustig. So ein Bewerb ist wirklich etwas Besonderes, das motiviert und verleiht Flügel J Hier muss man immer aufpassen um nicht zu schnell auf den Berg zu fahren. Immer konstant fahren ist das Wichtigste bei so einer langen Distanz. Trotz Begeisterung im Kopf, kühl bleiben.

 

 

 

Ich hatte richtig Spaß die ganze Strecke gehabt und mir selbst ist es richtig gut gegangen. Ich musste mich immer leicht bremsen, um nicht am Rad zu übertreiben. Im Anschluss war noch ein Marathon zu laufen. Auf den Marathon habe ich mich dann am Ende vom Radsplit auch richtig gefreut!

 

Radsplit von 180km und ca. 1600 Höhenmeter habe ich nach 5 Stunden und 1 Minute mit einem Schnitt von ca. 36km/h beendet. Viel schneller als ich mir das vorgestellt habe. Ich wollte mit ca. 5 Std und 30 min diesen Radsplit beenden. Ich war wirklich sehr überrascht über die Endzeit in der Wechselzone.

 

Beim Fahren habe ich kaum auf die Geschwindigkeit und Schnitt geschaut. Mein Puls und die Leistung waren immer im Vordergrund und einzelne Daten auf dem Tacho. Ich wollte die Zeit und Geschwindigkeit gar nicht wissen, damit kein Zusatzdruck im Kopf entsteht.

 

15 km vor der Wechselzone habe ich meinen unruhigen Bauch das erste Mal gespürt. Ab dem Zeitpunkt wollte ich so schnell wie möglich in die Wechselzone und auf die Toilette...

 

 

 

Eine Pause in der Wechselzone, dann schnell raus auf die Laufstrecke. Ich habe mich so richtig auf den Marathon gefreut. Bereits nach 3 km Laufen musste ich wieder auf die Toilette… So wurde der ganze Marathon auf die Toilettensplits und nicht km-Splits aufgeteilt J

 

 

 

Laufen mit leerem Magen ohne richtig Kalorien aufnehmen zu können, war eine hauptsächlich mentale Herausforderung. Ich konnte ohne Probleme weiterlaufen. Nur langsam, weit langsamer als ich kann. Mein Puls lag zwischen 120-125 Schläge/min. Ich konnte einfach meinen Puls nicht in die Höhe bringen. Ich bin dann langsam weitergelaufen und habe immer wieder wiederholt: „Dir tut nichts weh und es gibt auch gar kein Grund zu gehen oder aufzuhören!“. Ich hatte zwar noch ziemlich frische Beine, konnte aber überhaupt nicht mehr Kraft oder Geschwindigkeit auf den Asphalt bringen.  

 

Der Marathon ist mit insgesamt 6 längeren Pausen J und nach 3Std. und 47 min eigentlich sehr kurzweilig verlaufen. Eine gewaltige Atmosphäre und Stimmung entlang der Laufstrecke hat mich hier wirklich stark mitgerissen und dann ins Ziel mitgenommen. So viele Freunde und Bekannte entlang der Laufstrecke, viele davon absolut überraschend mit dabei. Jeder hat mich angefeuert und ich danke jedem Bekannten und Unbekannten dafür!

 

 

 

Zieleinlauf:

 

Die Überquerung der Ziellinie ist wirklich was Besonderes. An einem sehr langen Tag wie diesem, zuerst kurz entlang des Wörthersees und dann auf die letzten 100 Meter durch die vollen Bühnen mit mehreren hunderten Leute und lauter Musik zu laufen, hat was!

 

Kurz vor der Ziellinie hörst du deinen Namen und den lauten Schrei: „VADYM, YOU ARE AN IRONMAN!!!“

 

Dieser Moment schenkt mir immer noch ein Gänsehautgefühl! Alle diese 10 Stunden im Rennen bleiben als eine tolle unvergessliche Erinnerung!     

 

 

 

Is it the end of story?

 

 

 

Was kommt als nächstes weiter?

 

 

 

Diese Langdistanz wollte ich zu mindestens einmal im Leben gemacht haben. Das habe ich jetzt aus meiner Sicht für mich selbst erfolgreich absolviert. Von der To-Do-Liste gestrichen J 

 

Werde ich das Ganze wieder angehen? Absolut möglich, fast fix sogar J . Bei dem ganzen Trainingsaufwand hatte ich so viel Spaß und konnte den ganzen Weg richtig genießen. Nur ganz, ganz selten musste ich mich zum Trainieren überwinden.

 

Bei jedem schlechtem Wetter war ich laufen. Laufen hat mir den ganzen Winter richtig Spaß gemacht. Es ist auch dann beim Laufen wirklich was weitergegangen! So schnell bin ich noch nie gelaufen J

 

 

 

Eine ganz interessante Erinnerung kam mir in Klagenfurt beim Rennen. Als ich zum ersten Mal als Praktikant 2006 nach Österreich gekommen bin, bin ich am Wochenende mit dem Zug nach Kärnten gefahren. Dort wollte ich mit einem Sommerticket der ÖBB Klagenfurt und Kärnten anschauen. Genau am gleichen Wochenende fand der Ironman Austria statt! Ich war sehr weit vom Sport allgemein und vom Triathlon im Besonderen entfernt. Mir wurde erklärt, dass der Ironman eine Triathlonveranstaltung ist und aufgrund dessen sind mehrere Straßen rund um Klagenfurt gesperrt und ich könnte meine Ziele mit dem Bus nicht mehr erreichen. Ich habe dann natürlich gefragt, wie viele Tage brauchen alle diese Übermenschen um alle drei Disziplinen zu absolvieren. Es war in diesem Moment für mich einfach unvorstellbar, wie das an einem Tag zu schaffen ist. Diesen Moment aus Jahr 2006 habe ich dann komplett vergessen. Erst jetzt beim Rennen kam es bei mir im Gedanken wieder zurück J Sowas hätte ich mir damals überhaupt nicht vorstellen können. Jetzt habe ich das Ziel mit knapp über 10 Stunden hinter mir! Wahnsinn!  

 

 

 

Also einfach Ziel setzen, an sich ohne Zweifel glauben. Das kann dann wirklich jeder von uns!

 

 

 

If you can believe it, you can do it! This is only the beginning and not the end of story!

 

 

 

 

 

Wie gewöhnlich bei meinen Berichten gibt es ein paar Sachen zum Mitnehmen J

 

 

 

1. Nimm dir ordentlich Zeit und baue deine Grundlagen ordentlich auf! Gezielte 2-3 Jahre sind mindestens für die Vorbereitung notwendig! Sonst hast du keinen Spaß während dem Rennen.

 

2. Während dem Ironman verbringst du die meiste Zeit auf dem Rad. Trainingspriorität ist hier ganz klar, oder immer noch nicht? J

 

3. Schwimmen ist wichtig, spielt aber fast keine Rolle auf das Gesamtergebnis. Du solltest halt so schwimmen können, dass du nach einer Stunde und ein paar Minuten frisch aus dem Wasser kommst. Bist dann gut fürs Radfahren aufgewärmt. In kürzeren Triathlon-Distanzen ist das ein bisschen anders, stark schwimmen muss man können. 

 

4. Laufen sollte man unter allen Bedingungen gut können. Hitze, Kälte, Nässe sollte keine Rolle spielen. Nüchtern laufen im Winter und Frühjahr hat mir jetzt diesen Marathon praktisch ohne Essen zu absolvieren geholfen. Wir haben sehr große Fettreserven. Auf diese zurück zu greifen, muss man dem Körper erst beibringen, dann ist das kein Problem.

 

5. Bleibe immer in dem Moment wo du gerade bist beim Rennen. Genieße jede Sekunde. Du hast alle Trainings  bereits hinter dir. Genieße den ganzen Tag jetzt. Es geht um Spaß bei uns! Sobald du Spaß haben kannst, kannst du auch zu einem guten Ergebnis kommen! Umgekehrt funktioniert es leider nicht.

 

6. There are no short-cuts. Es gibt wirklich keine Abkürzungen bei der Vorbereitung. Trainieren muss man und am besten mit Spaß, nur dann kann man erfolgreich sein. Es gibt auch keine Abkürzungen im Leben. Harte Arbeit macht erfolgreich. 

 

7. Das hat mich mental und körperlich stärker gemacht. Ich bin einfach Stress- und Problemresistenter geworden. Speziell im Alltag und in der Firma. Ich bin einfach belastbar geworden.

 

8. Pflanzliche Ernährung hat mich eindeutig stärker als je gemacht. Meine sportlichen Ergebnisse seitdem ich vegan bin, sprechen für sich. Ich habe einfach mehr Energie und Lust am Leben J Gibt es noch Zweifel, ob wir Fleisch brauchen?