Erfolgreich durch den längsten Tag meines Lebens- ein Erlebnisbericht von Vadym Trykoz über den Ultralauf Dirndltalextrem 111 km mit 5000 HM!!

 

 

 

 

 

Unser Unionkollegen Vadym Trykoz, der sehr gerne „außergewöhnliche“ Sportbewerbe bestreitet und uns damit immer wieder dazu motivieren möchte bei unseren sportlichen Zielen dranzubleiben, berichtet über seine Herausforderung beim Dirndltalextem 😊.

 

 

 

Warum Dirndltalextrem über 111 km und 5000 Hm?

 

Man kann sich für eine Veranstaltung anmelden, die etwas in dir selbst anspricht. Ich wohne seit einiger Zeit dort, wo dieser Bewerb in der Nähe veranstaltet wird. Es ist mein neues Zuhause.  Ein Teil der Strecke läuft durch den Wald in der Nähe unseres neuen Hauses, nur einige hunderte Meter Luftlinie entfernt.

 

 

Motivation:

 

Motivation? Hm.... Motivation kommt und vergeht relativ schnell wieder. Es geht um mein eigenes Wachstum als Mensch. Es ging um eine bessere Version von mir selbst auf diesem langen Weg zu finden. Was kann ich eigentlich alles, wo liegen meine Grenzen?

 

 

 

Platzierung?

 

Ganz egal. Bei diesen Distanzen geht es nicht darum, so schnell wie möglich vom Start ins Ziel zu laufen, sondern um Einteilung der persönlichen Kräfte und Resourcen. Das Wort Egoismus ist bei Ultraläufen ein Fremdwort.  Hier hilft man sich gegenseitig, wenn körperlich oder geistige Einbrüche sich zeigen und es  nicht mehr weitergeht. Um starten zu dürfen, benötigt man eine Menge Ausrüstung die verpflichtend ist, wegen  Unfällen oder Unwetter. Essen, Getränke, wetterfeste Bekleidung, Erste Hilfepaket und Handy müssen von jedem Athlet in einem Rücksack die ganze Strecke mitgetragen werden.

 

 

 

Das Besondere am Dirndltalextrem ist die Freundlichkeit und der familiäre Umgang mit den Teilnehmern und Helfern, das Rennen ist wie ein Treffen mit einer Familie und Freunden. Ich habe so viele neue Freunde an diesem langen Tag kennengelernt!

 

 

 

Bei den meisten geht es um die Bewältigung der extremen Strecke an sich. Das sieht man auch bei der DNF-Quote: ein Viertel der Starter haben nicht gefinished. Hier nimmt man sich Zeit um die Berge und Wälder, die Kühe auf der Weide und den Wiesen zu beobachten und um das G anze wirklich zu genießen. Mein Lauftempo und meine Vorbereitung haben es mir auch in diesem Sinne erlaubt. Ich habe viele eindrucksvolle Fotos mit meinem Handy während des Laufs gemacht.

 

 

 

Strecke:

 

Abwechlungreiche und schöne 111 km mit 5.000 Höhenmeter durch die Wälder, Berge und Täler des schönen Dirndltals.

 

 

Warum soweit? 

 

Weil ich es kann! Ich bin dankbar, dass ich das wirklich kann, was viele leider nicht können. Diesen Tag zu erleben war ein ganzes Jahr Training wert. Ich laufe, weil ich es genieße und der Ultralauf war für mich wie eine Abenteuerreise.

 

 

Der Tag:

 

Um 6 Uhr morgens ging der Startschuss los und ich bin mit viel Freude, leichter Nervösität und positiven Gedanken einfach losgelaufen.Ich habe gleich mein Grundlagentempo gefunden und nach den ersten 500 m habe ich mich bereits auf Platz 5  gefunden. Die ersten zwei Jungs sind sehr schnell davon gelaufen und haben den Abstand auf die Verfolger gewaltig von km zu km erhöht. Ich habe den 5.Läufer dann bei der ersten Labe nach 10,5 km überholt und war dann an 4.Stelle. Diesen Platz hielt ich bis km 44.

 

Dort auf der Labe habe ich die ersten zwei schnellen Jungs überraschend für mich wieder getroffen. Bis km 50 sind wir noch gemeinsam unterwegs gewesen und dann bergab bin ich einfach schneller runter gelaufen.

 

Bei der Labe bei km 60, habe ich den, zu diesem  Zeitpunkt erstplatzierten Läufer, kurz getroffen. Er hat vor mir die Labe verlassen. Zwei Minuten später habe ich mich auch auf den Weg gemacht und die Verfolgung gestartet. Auf dem steilen Anstieg auf den Eisenstein konnte ich  den Führenden  nach ca. 20 Minuten einholen und schlussendlich habe ich ihn 20 Minuten später dann sogar überholt. Auf dem Eisenstein bei der Hütte war ich dann zum ersten Mal in Führung. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mir gedacht, ich kann das genauso weiter machen und bergab wieder etwas Tempo machen. Bergab kann ich relativ schnell laufen. Das war auch der Grund, warum ich auch die Starter der kürzeren Distanz  ( 50 km) einen nach dem anderen überholt habe. Es war so überraschend für mich, dass ich bei so einem Lauf die Führung übernehmen kann. Ich dachte mir in dem Moment: „Bleib relaxed und cool, genieß die Zeit, mach weiter so!“.

 

 

Je näher ich zur  Ziellinie kam, desto mehr Bekannte, Freunde und Familienmitglieder waren da. Mich haben so viele Menschen angefeuert und unterstützt! Meine Freundin Marlene war bei fast allen Laben dabei und hat mich mit natürlicher pflanzlicher Nahrung versorgt. Ich habe leckere Energie-Kekse und selbstgebackene Energieriegel von ihr bekommen.

 

 

Ab km 90 war vielen außer mir klar, dass ich gewinnen werde. Ich konnte es immer noch nicht glauben und bin weiter mein Tempo gelaufen. Auf der langen Zielgeraden nach Obergrafendorf nach bereits 106 km konnte ich komplett alleine noch alle Emotionen von diesem Tag durch den Kopf gehen lassen. Jeder, der die Strecke kennt, nennt diese 5 km Gerade höllisch fad und unendlich. Es hat mir nichts ausgemacht. Für diese 5 km benötigte ich nur 25 Minuten und dann war ich als Erster im Ziel.

 

 

Das war ein ganz besonderer Tag für mich. Nach 12 Stunden und 43 Minuten als Erster die Ziellinie überqueren zu dürfen war eine Ehre. Es konnte im Vorfeld  keiner glauben, dass ich das Rennen überhaupt finishen kann. Nur meine Freundin Marlene hat die ganze Zeit vor dem Rennen zu mir gesagt, dass ich das ich sicher gewinnen werde. Hätte ich mir selbst nie gedacht. Sie hat sicher schon was vorher gewusst 😉 Der zweite Läufer ist erst eine Stunde später nach mir ins Ziel gekommen... Unfassbar!

 

 

Von nichts kommt nichts:

 

Was ein Mensch, wenn er es will, nicht alles schaffen kann! Das beweise ich mir selbst immer wieder. Egal welche Ziele man sich setzt, man kann diese nur durch konsequente und geduldige Herangehensweise schaffen! Natürlich muss man was investieren. Speziell die Disziplin. Das ist für mich das Wichtigste, was mich soweit gebracht hat.