Challenge Roth - Eine lange Geschichte oder eine Langdistanz-Geschichte von Vadym Trykoz!

 

 

 

Um uns weiterhin zu motivieren und fokussiert zu bleiben, vielleicht auch um neue Ziele für die kommende Triathlonsaison zu finden, hier ein Bericht von unserem Triathlonkollegen Vadym, der heuer eine Langdistanz finishen konnte. Challenge Roth ist einer der namhaftesten Langdistanzenbewerbe und wirklich eine schwierige Strecke! Hier sein Bericht:

 

 

 

Ja, eine Triathlon Langdistanz (3,8km schwimmen, 180km Radfahren, 42,2km laufen) dauert lang. In meinem Fall über 10 Stunden. Das ist sogar länger als ein normaler Arbeitstag. Ein langer Tag, wo man so viel erleben kann und wo so viel passieren kann. Ein Tag mit vielen Unbekannten. Wenn einem 10 Stunden schon zu lang sind, der sollte zuerst auf eine lange Vorbereitung zurückblicken. Nur so kann man auch die Freude auf eine Langdistanz nachvollziehen. Wenn man nach der langen Vorbereitungszeit die ganz stark angespannte Feder loslassen und einfach den Tag X richtig genießen kann.

 

 

 

Kann man überhaupt so etwas genießen? Na klar! Und wie! Speziell hier im legendären Roth beim Challenge Roth Triathlon. Roth- Triathlon hat eine lange Geschichte. Heuer fand diese Veranstaltung zum 35. Mal seit 1984 in Folge statt und ist somit genauso alt wie ich 😉. Das war der erste Triathlon über eine Ironman-Langdistanz in Europa und bis heute, nach wie vor mit dem Abstand, der größte und der bekannteste Triathlon Europas. Heuer standen knapp 7.000 Athleten aus 47 Nationen am Start. So viele teure Fahrräder auf einer riesigen Wiese in einer Wechselzone wird man nie wieder wo finden können😉.

 

 

 

Roth kann man eigentlich nicht beschreiben, man muss es erleben! Ob als Zuschauer oder als Athlet, es ist ein Fest.

 

Was macht Roth so besonders? Die Leute! Die 7.000 freiwilligen Helfer, je ein Helfer pro Starter. Das gibt es nur in Roth. Als Athlet ist es gigantisch. Mit der Ankunft in Roth fühlt man sich sofort wie zuhause im Wohnzimmer. 7000 Helfer kümmern sich vor dem Start und während des Rennens um dich!

 

 

 

300.000 Zuschauer auf der Strecke. Das gibt es nur in Roth. Die Zuschauer fiebern mit allen Athleten bis zum Schluss mit und tragen die Athleten förmlich ins Ziel. Etliche Stimmungsnester auf der Strecke bieten beste Bedingungen zur Feier!

 

 

 

Das Schwimmen im Kanal bei Sonnenaufgang ist der emotionalste Schritt in den längsten Tag! Tausende Zuschauer auf der Brücke und am Kanal fiebern mit.

 

Die Radstrecke ist einfach Kult und super zu fahren. Der Solarer Berg ist das unumstrittene Highlight! Der Solarer Berg, mit 50.000 Zuschauer auf der Radstrecke wie bei der Tour-de-France, wo nur ein Radfahrer durch die Menschenmassen vorbei kommen kann. Das kann ein normaler Mensch nur in Roth erleben. Ich kriege eine Gänsehaut immer wieder, wenn ich nur daran denke.

 

 

 

Eine Megastimmung entlang der Marathonstrecke. Mit der Mischung aus Einsamkeit an der Lände entlang des Donau-Main-Kanals und Stimmung in Büchenbach, ist eine super Laufstrecke gefunden worden!
Die Einwohner haben an diesem Tag so was wie ein Volksfest und verbringen den ganzen Tag beim Grillen und Bier entlang der Strecke und sorgen für eine gewaltige Stimmung. Die Menschen machen dieses Emotionen-Theater für die Starter. Das gibt es nur in Roth.

 

Der Zieleinlauf, in ein auf die Wiese gestelltes Stadion mit hunderten Zuschauern, ist wirklich was Besonderes! Da weinst du von lauter Emotionen und Endorphinen. Das gibt es nur in Roth.

 

Einfach “the Best Old Race"! 

 

 

 

Der Weg

 

 

 

Gezielt ein halbes Jahr trainieren ist das Mindeste, was so benötigt wird, um sich vernünftig auf die Langdistanz vorzubereiten. Normal sollte man sich viel mehr Zeit nehmen. Aus Zeitmangel (Beziehung, Arbeit, 2x Übersiedeln, Hausplanung und eine kleine Verletzung in der Vorbereitungsphase) hatte ich nicht so viel Zeit zum Trainieren. Nachdem ich bereits vor einem Jahr schon einmal eine Langdistanz hinter mich gebracht hatte, wusste ich, was auf mich so zukommt. Mit einer tollen Unterstützung von meiner Freundin haben wir das Beste aus dem Ganzen gemacht. Viel Zeit miteinander verbracht und trotzdem viel gemeinsam trainiert. Lange Ausfahrten am Wochenende habe ich bereits ganz in der Früh begonnen und nach 100km Marlene abgeholt und gemeinsam sind wir dann weitergefahren. Als Training wurden auch die Arbeitsfahrten mit dem Rad genutzt: 60km mit 600 Höhenmeter in eine Richtung und das gleiche am Abend wieder zurück, haben das ganze Training in Richtung Effizienz und Zeitmanagement auf ein neues Niveau gebracht.  

 

Dank einer gesunden, rein pflanzlichen Ernährung habe ich gar keine Verletzungen gehabt. Marlene hat immer viel und frisch für uns gekocht. Das hat natürlich sehr eine schnelle Regeneration unterstützt.

 

Mit positiven Gedanken und Dank einer Unterstützung von unserem tollen Verein, Sportunion Waidhofen/Ybbs, sind wir mit Spannung gemeinsam nach Roth gefahren.

 

Roth hat uns sehr freundlich umarmt und eine perfekte Zeit geboten. Alle Leute dort sind sehr hilfsbereit und nett, trotz der Athleteninvasion aus der ganzen Welt. Die Athleten sind voller Nervosität, aber alle sind immer noch komplett freundlich und nett. Jeder ist sehr auf das Rennen am Sonntag gespannt.

 

 

 

Der Tag oder "once-in-a-lifetime-moment"

 

 

 

Aufstehen um 03:20 in der Nacht, duschen, alles mitnehmen und Richtung Start fahren. 40 Minuten fahren zum Schwimmstart und in die erste Wechselzone. Hier wird kurz vor dem Start das Rad nochmals überprüft, Reifen aufgepumpt. Normal darf nichts mehr sein. Normal ist das eine Routine, wie bei einem Piloten vor dem Start. Aber nicht an diesem Tag für mich. Ein Ventil ist beim Vorderreifen kaputt und macht nach dem Aufpumpen nicht mehr dicht. Das Ventil ist leider fix in den Schlauch verbaut. Das kann man nicht so leicht austauschen. Schnell den Ersatzschlauch nehmen, Reifen runter, Schlauch tauschen, Reifen drauf, aufpumpen. Dicht! Pfuhh, das soll das erste und das letzte Problem für heute sein habe ich mir gesagt und bin meine Marlene in der Masse von tausenden Leuten suchen gegangen.  
Danach Aufwärmen und durch die Massen an Athleten zu der 4. Schwimmstartwelle gehen. Die ersten zwei Wellen waren die Herren- und die Damenprofis. Dann ganz schnelle Athleten - ich war unter den schnellsten 200 dabei
😉. Es hat insgesamt mehr als 20 Wellen gegeben.

 

 

 

Schwimmen war ganz entspannt, obwohl auf den ersten km ganz viel um einen Platz für eine perfekte Schwimmlinie gekämpft wurde. Bei 3,8km Schwimmen kann man gar nichts gewinnen, eher nur verlieren. Beim Schwimmen habe ich meinen Blick auf die Menschen entlang dem Kanal konzentriert. Es sind mehrere Ballons zu dem Zeitpunkt gestartet. Echt was Besonderes, habe ich mir gedacht. Auf der Brücke kurz vor dem Ziel ist ein Spruch gestanden: „This is your moment, you inspire with your achievement!“ Erstes Gänsehaut-feeling an dem Tag, weitere werden noch öfters kommen.

 

Ich bin dann nach 1 Stunde und 5 Minuten aus dem Wasser gestiegen, sofort mit einem Blick Marlene in der Menschenmasse gefunden, gelacht, meinen Wechselbeutel gefunden, in die Hand genommen, und mich, dank Helfer, schnell umgezogen und zu meinem Rad gelaufen.

 

 

 

Mein Rad hat ganz brav auf mich gewartet. Die Reifen haben die Luft gehalten, alles gut. Auf dem Rad beginnt das Ganze für mich. Schwimmen gilt als aufwärmen für das Radfahren 😉.  Mit nur einer Stunde ist Schwimmen die kürzeste Disziplin. Hier sollte sparsam mit den Kraftreserven umgegangen werden.
Die Radstrecke ist sehr schön, mit vielen kurzen Anstiegen und Hügeln. Bei diesem sehr windigen Tag, mit Wind über 20km/h, war die Strecke von 180km und über 1400hm nicht ganz so schnell, wie man es sich sonst vorstellt. Die Strecke beim Ironman Austria in Klagenfurt mit mehr Höhenmeter war irgendwie um einiges leichter. Hier hat es kaum flache Strecken gegeben, entweder leicht oder stark bergauf oder kurz bergab. Ständiges schalten der Gänge, ohne wirklich einen eigenen Rhythmus finden zu können.

 

Gänsehaut-feeling Nummer zwei und drei sind die Auffahrten auf den legendären Solarer Berg, mit heuer über 50.000 Zuschauer! Die Zuschauer bilden einen ganz engen Menschen-Kanal wie bei den Profi-Radrennen. Nur ein Radfahrer kann durchfahren. Keiner kann hier überholen. Es wird geschrien, gejubelt, gefeiert! Ein unbeschreibliches Feeling! Ein Gefühl, wie wenn man auf dem Rad fliegen würde. Die Menschen bringen dich mit ihren Emotionen auf den Berg! Ich habe Tränen in meinen Augen gehabt! Wahnsinn! Und das zweimal, weil der Rundkurs von 90km 2x abgefahren wird.  

 

Die letzten 20km ins Ziel war ich schon müde. Der Wind hat ziemlich viel Kraft geraubt und ich bin mit dem Hintergedanken auf den Marathon mit einem gemütlicheren Schnitt gefahren. Für die 180km mit 1400hm habe ich 5 Stunden und 24 Minuten mit 33km/h Schnitt benötigt

 

Auf die zweite Wechselzone habe ich mich schon sehr gefreut!

 

Die Helfer nehmen dein Rad und stellen es ab, holen deinen Umkleidesack und helfen dir beim Umziehen. Schmieren dir die Sonnenschutzkreme auf die Schultern und wünschen dir alles Gute bis ins Ziel.

 

 

 

Erst jetzt beim Laufen geht’s los. Radfahren war sowas wie eine Vorbelastung für den Marathon 😉. Ich habe wieder Marlene getroffen und mit viel Freude die dritte und finale Disziplin begonnen. Erste Drittel ging sehr schnell und problemlos, ab der Hälfte musste ich öfters aufs WC laufen… Trotz sehr warmen Temperaturen am Tag aber mit einem starken Wind und die ganze Zeit im nassen Triathlonanzug habe ich mir eine Blasenentzündung geholt. Das ist ja per se nichts Schlimmes habe ich mir gleich gesagt, aber die ständigen WC-Besuche und die auf die Schulter fallende Müdigkeit haben mich langsamer und langsamer gemacht. Ich bin dann einfach weiter gemütlich getrabt und hab mich bei allen möglichen Leuten für die Unterstützung bedankt, bereits gehende Athleten angefeuert und bis ins Ziel zu kämpfen motiviert. Bei den letzten 10km konnte ich das Rennen wieder so richtig genießen und beim nächsten Hot-Spot eine Gänsehaut-feeling Nummer vier oder fünf erfahren. Der Moderator hat ins Mikrofon geschrien: Bitte um Unterstützung für Vadym aus Österreich! Und mehrere hundert Leute wie in einem Stadion: Vadym, Vadym, Vadym!!! No words to describe that feeling!

 

 

 

Auf der Zielgerade bekommt man Flügeln, wie die bekannte Werbung verspricht, aber auch ohne das Getränk trinken zu müssen. Du fliegst durch den Zieleinlaufkanal, hörst deinen Namen, Applaus von tausenden Menschen, triffst deine Geliebte im Ziel! Was für ein Tag! Was für ein Erlebnis!
Es war mir eine Ehre nach 3 Stunden und 49 Minuten meinen bis jetzt langsamsten Marathon so glücklich zu beenden!

 

Meine Gesamtzeit betrug 10 Stunden und 24 Minuten. Bei einer Weltveranstaltung als 470. gesamt von über 3.000 Einzelstarter ins Ziel zu kommen, ist ganz akzeptabel. Bin sehr zufrieden und sehr stolz.

 

 

 

Danksagung

 

 

 

Danke an jeden Einzelnen der 7000 Helfer, die Roth so einzigartig machen. Ich durfte diesen "Once-in-a-lifetime-moment" mit meiner Marlene erleben und werde ihn niemals vergessen.

 

Danke Roth, danke Sportunion Waidhofen/Ybbs, danke Marlene für deine großartige Unterstützung auf dem Weg, wir haben das gemeinsam geschafft!